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By Walter Gagel

Diese Geschichte der politischen Bildung ist ein Ergebnis der deutschen Ein­ heit. Das epochale Ereignis hat mein Interesse an der historischen Betrach­ tung meines Fachgebietes geweckt. Darüber gibt die erste Lektion Rechen­ schaft. Die Entstehung des Buches hingegen ist einer Gelegenheit zu verdan­ ken. Es basiert auf einer Vorlesung, die ich während eines Gastsemesters an der Universität Halle-Wittenberg im Sommer 1991 gehalten habe. Bis zur vorliegenden Endfassung habe ich diese Vorlesung gründlich überarbeitet und stark erweitert. Es blieb aber die didaktische Konzeption: die Gliederung in zwölf, thematisch abgeschlossene Einheiten und die Absicht zu belehren. Vor Augen standen mir jetzt bei der Arbeit an der Endfassung nicht nur Le­ ser aus den neuen Bundesländern, sondern Interessenten aus dem ganzen Deutschland. Ich wollte versuchen, den in der Geschichte ruhenden Bestand an Ideen und Erkenntnissen zum politischen Unterricht und zur politischen Bildung zu vergegenwärtigen, - auf daß nicht immer wieder alles in Verges­ senheit gerät, wenn Generationen von jüngeren abgelöst werden. Als Autor bin ich zugleich Miterlebender. Seit meiner zweiten Staatsarbeit von 1957, spätestens aber seit Beginn meiner Tätigkeit in der Lehrerfortbil­ dung 1963 battle ich ausschließlich mit politischer Bildung und politischem Unterricht beschäftigt. Die persönlichen Erfahrungen prägen ein Geschichts­ bild. Insoweit ist in diesem Buch auch viel Subjektives enthalten, und so gilt hierfür in Abwandlung das Wort von Emile Zola über die Kunst: Geschichts­ schreibung bietet Ereignisse, gesehen durch ein Temperament. Das mögen diejenigen tolerieren, die mit der Sichtweise nicht einverstanden sind oder auch Wichtiges zu vermissen meinen.

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Dr. Alfons Söllner ist Professor für Politikwissenschaft an der Technischen Universität Chemnitz. Dr. Ralf Walkenhaus ist wissenschaftlicher Assistent an der Universität der Bundeswehr, München.

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Verbreitet war auch die Ablehnung von Schuldeingeständnissen. ). Indem die NS-Greuel ihrer Einmaligkeit entkleidet 41 wurden, reduzierte sich der Schuldvorwurf auf die Fehlbarkeit des Allgemein-Menschlichen. Dies erzeugte eine Resistenz gegenüber den Umerziehungsabsichten der Allierten. 3. Hinzu kamen negative Vorstellungen vom amerikanischen Schulsystem (s. Kasten S. 43). Die Übernahme des in den USA praktizierten Schulsystems erschien nicht erstrebenswert, weil die amerikanische High-School im Ruf stand, schlechte Lernergebnisse zu erbringen.

Die Werte der Demokratie waren dadurch so etwas wie eigener Besitz geworden. Zu prüfen wäre nur, ob das Bild von Demokratie nicht vielleicht zu idealistisch beschaffen war, weil die Erfahrung mit seiner Realisierung im Alltag fehlte. Gegenwärtig scheint sich für viele die Vorstellung von Demokratie mit sozialer Not zu verbinden. Eine Enttäuschung ist die Folge. 47 3. Das Problem des Transfers politischer Kultur: Nach 1945 mußte dieser Transfer Widerstände durchbrechen. Die deutsche Tradition hatte eine negative Bewertung von Politik als "schmutziges Geschäft" und als bloße "Parteipolitik" überliefert.

Die deutsche Gehorsamsneigung führte Oetinger auf unterschiedliche religiöse Grundhaltungen zurück. Die Angelsachsen fassen die Menschen als Gottes Werkzeuge auf, daher werden auch die politischen Führer als bloße Werkzeuge gebraucht und verstanden. Für die Deutschen hingegen habe der jeweilige Führer im Stande der Gnade gestanden (56). Oetinger ging auch auf die deutsche "Beamtenfrömmigkeit" ein; der Beamte repräsentierte die Macht und die Autorität des Staates. "Gehorsam, Dienst, Ordnung - »Staatsbewußtsein«, Korrektheit, Unterordnung und wenig eigene Initiative - es sind nicht nur die prägnanten Merkmale des deutschen Beamtenturns...

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